Welt, das wäre ja eine ungeheuerliche Verfehlung! Dem Steuerzahler wäre eine Summe von mindestens 1,60 Euro (in Frankfurt für eine Kurzstrecke) als zusätzliche Last auferlegt worden!
Stellt Euch das vor – ein Präsident, der seine Stellung zu seinen Gunsten nutzt!
Den Job könnte dann ja wirklich jeder machen, wenn man moralisch gar kein Übermensch sein muss. Dann könnte ja auch jeder dahergelaufene Vollposten ein Mitglied des Bundestages werden, wenn er nur in der passenden Partei hin und wieder ein wenig Unsinn daherredet. Am Ende wären wir soweit, dass die Elite des Landes in der Privatwirtschaft oder im Ausland sitzt, während das Land vom Bodensatz regiert wird.
Das wäre ja eine Katastrophe, deren Ausmaße ich mir gar nicht vorstellen mag!
Ich meine, andere Länder haben Präsidenten, die sich mit Koks und Nutten die Zeit vertreiben, ihren Größenkomplex mit Napoleonischem Gehabe und zu jungen B-Promi-Frauen bekämpfen müssen oder vielleicht hin und wieder das Militär ein wenig gegen das eigene Volk marschieren lassen.
Das alles ist ja zu verstehen und gelegentlich auch zu begrüßen.
Jedoch, wo kommen wir hin, wenn sich der Präsident eines Staates wie der Bundesrepublik Deutschland – der Bastion der Tugendhaftigkeit in Europa der letzten Jahrhunderte – einen Kredit zu sittenwidrig niedrigen Zinsen genehmigt und sich dann – und hier platzt mir der Kragen – einen Urlaub von einem Unternehmer bezahlen lässt?
Da könnten wir ja gleich wieder ins finstere Zeitalter zurückkehren und die Inquisition aufleben lassen!
Und damit ist es noch nicht genug! Sogar seine Untergebenen, schließlich Angestellte der Regierungspartei unseres Staates, sollen auch Vergünstigungen in Anspruch genommen haben. Diese Bestie von Präsident hat seine Fürsorgepflicht verletzt und seine Angestellten nicht vor der Anziehungskraft der Sünden gewarnt und beschützt!
Was ist das für ein Sumpf, für ein Morast aus Lügen, den wir da trocken legen müssen?
Was bin ich froh, dass dieser Herr Wulff endlich sein Amt niedergelegt hat, damit die Reihen unserer Politiker endlich wieder ausschließlich aus glaubhaften, ehrlichen und tugendhaften Frauen und Männern besteht. Denn wo stünde unser Land, wenn nicht die ehrliche Empörung der Bevölkerung und die aufopferungsvolle Recherche unserer freien Medien jederzeit Licht in die dunklen Machenschaften unserer Führer bringen würde?
Ja, richtig, wir wären in einem besseren Land, das sich den tatsächlichen Problemen widmen würde, die wegen dieser Lappalie, diesem Schmierentheater unverdient ins Hintertreffen geraten sind!
Sechs Wochen lang musste ich mir den Stuss jeden Tag in allen Medien anhören! Ein Mensch, der sich bestechen lässt und sonstige Vorteile annimmt, sollte in einer perfekten Welt nicht unser Präsident sein. Wenn er sich dabei erwischen lässt, dann ist er dümmer als die restlichen Kumpanen, denn die machen es durch die Bank weg auch.
Müsste er in einer idealen Welt zurücktreten? Ja. Muss man deswegen wochenlang die Presse vollkleistern? Nein. Würde es mich stören, wenn er noch weiterhin als lustiges Püppchen unser Land vertritt? Nein.
Neben allen anderen Herrschaften der internationalen Politik macht er immer noch eine verblüffend gute Figur. Eine traurige Wahrheit, die sich aber unsere empörte Öffentlichkeit einmal durch den Kopf gehen lassen könnte.
Cheers