Auto Revue – ein wirklich lesenswertes Magazin!

Welt, der automobilen Leidenschaft haftet ein zweifelhaftes Images an. Die meisten Auto-Clubs sind mit halslosen Bürstenhaarschnitt-Rolfs angefüllt und die abendlichen Treffen an den großen Tankstellen tragen nicht zur allgemeinen Erbauung bei. Autoverkäufer haben oftmals das schmierige Auftreten eines Fassaden-Vertreters und die Lockangebote der Hersteller erinnern an Kaffeefahrten inkl. Verkaufsshow von Heizdecken.

Die Fachpresse bedient sich gerne einer ungeschliffenen Wortwahl. Jungs, die eher Motor-begeistert als mit journalistischer Begabung gesegnet sind, schreiben Fakten-gesättigte Artikel, die einer schlichten tabellarischen Modellübersicht in der Lesbarkeit kaum überlegen sind. Altbekannte Satzbausteine werden verwendet, je nach Fahrzeugklasse wechselt die Wortwahl von flippig (Kleinwagen) über seriös (Mittelklasse) zu gediegen (Oberklasse).

Die erste Verbindung von Lesegenuss und konkreten Details habe ich in der österreichischen Auto Revue erlebt.

Vielleicht übertreibt es dieses Magazin manchmal und verschiebt den Schwerpunkt eher in Richtung einer literarischen Ausschweifung. Jedoch kann ich in den Zeilen die Begeisterung für die Fahrzeuge und auch den Spaß am Schreiben erkennen. Es geht nicht nur darum, dem Leser reine Fakten zu vermitteln. Ein Auto-Magazin soll unterhaltsam sein und das Gefühl übertragen, das ein Wagen vermittelt.

Die Auto Revue dient nicht als Kauf-Berater oder für den Vergleich am Stammtisch.

Dieses Magazin liest man einerseits, wenn man schon ein profundes Wissen über die Baureihen der letzten Jahre angesammelt hat und nun die Erfahrungen einzelner Tester mit den verschiedenen Modellen erfahren möchte. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass man vielleicht nicht so wahnsinnig an dem Aufbau der überarbeiteten Raumlenker-Hinterachse des aktuellen SLK interessiert ist, sondern eher an dem Effekt, den dieser Umbau auf das Fahrverhalten hat.

Ich muss keinen Vergleichstest lesen, der mir am Ende eine Rangliste vorgaukelt, die aus einer mir fremden Gewichtung von Kriterien erstellt wurde.

Mir ist die Materialanmutung wichtiger als die Höchstgeschwindigkeit beim Pylonen-Wedeln. Die Redakteure der Auto Revue sehen das ähnlich, zumindest bei Wagen jenseits der Sportklasse. Somit schätze ich mich glücklich, dass ich ein Magazin entdeckt habe, das monatlich erscheint, Fahrzeuge jeder Klasse testet und mich mit einem angenehmen Schreibstil überzeugt.
Cheers 

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