Welt, hin und wieder gerate ich in soziale Interaktionen, denen ich gerne entgangen wäre. Eigentlich mag ich Menschen – manche sogar sehr. Einige geben Grund genug, dass ich sie bewundere, manche ringen mir zumindest Sympathien ab. Eine unglückliche Gruppe erntet nur Mitleid als Reaktion, aber immerhin stehen auch diese noch weit über dem großen Rest derer, die ich einfach nur übersehe.
Diese Unsichtbaren drängen sich manchmal aber derart dreist auf, dass sie wie Schachtelteufel vor mir auftauchen und ich dann zu einer Art Kommunikation gezwungen bin.
Die Umstände können unterschiedlichster Natur sein. Die beste Entschuldigung für einen solchen Zusammenstoß bietet noch ein gesellschaftlicher Zwang. Natürlich wird sich eine Gruppe untereinander vollständig vorstellen, auch wenn eine Person darunter ist, die man nur für eine recht lebensechte Schaufensterpuppe gehalten hat. Hat man dann die schlaffe Hand geschüttelt, den fahlen Blick erwidert und einige Belanglosigkeiten über einen Allgemeinplatz ausgetauscht, räumt das fleißige Kurzzeitgedächtnis gleich gründlich auf.
Dies führt dazu, dass man womöglich kurze Zeit später in einer anderen Gruppenkonstellation derselben Person ein zweites Mal vorgestellt wird. Natürlich würde man einer einprägsamen Person gegenüber die Vorstellung sofort mit einer höflichen Geste des sehr erfreuten Wiedererkennens Einhalt gebieten, aber so ergreift man die Hand mit der identischen, sterilen Verbindlichkeit, die einem zur zweiten Natur wurde.
Der einzige Spaß, den so eine Situation bietet, ist der nun aufflammende Zorn im gesichtslosen Gegenüber, denn natürlich halten sich die meisten Menschen für einzigartig genug, um immerhin für einen Abend einen Wiedererkennungswert zu generieren – da liegen sie aber leider falsch.
Nun haben einige Profis dieses Problem erkannt und versuchen sich daher unqualifiziert in den Vordergrund zu spielen. Da kann ich nur raten, lieber zur gesichtslosen Masse zu gehören!
Noch überflüssiger als Menschen, die trotz ihrer individuellen Nutzlosigkeit immerhin als Gruppe die Tische füllen und für eine Hintergrundkulisse sorgen, sind solche, die lärmen und posieren, obwohl ihnen dazu die Natur nichts mitgegeben hatte und sie dem auch nichts Eigenes hinzufügten.
Gewiss fallen sie auf und ich präge mir auch die Gesichter ein, aber nur zu dem Zweck, dass ich ihnen im Falle eines Unglücks den falschen Weg zum Notausgang weisen kann.
Überhaupt: Wem darf ich dafür den Kopf vom Hals reißen, die Mär verbreitet zu haben, Menschen würden es mögen, wenn sie witzig erscheinen?
Wenn einer eher bescheiden intelligenten Person keine adäquate Antwort einfällt (was natürlich häufig der Fall ist), dann lacht sie. Wer hat ihr das beigebracht? Sicherlich, wenn ich etwas äußerst unterhaltsames erzähle, dann würdige ich es durchaus und nehme es erfreut zur Kenntnis, wenn sich meine Umgebung amüsiert. Sinnlos zu lachen wirkt hingegen massiv dämlich. Einfügen möchte ich, dass jemand, der für sich selbst lacht, dies zu einem sinnvollen Selbstzweck macht und nicht, um anderen zu gefallen oder weil er um eine Antwort verlegen ist. Ganz offensichtlich jedoch freuen sich die meisten Menschen, wenn sie grundlos angelacht werden. Das ist überhaupt ein einfaches Sozial-Experiment, das die völlige Abhängigkeit unserer Bevölkerung von den Aktionen ihrer Umgebung zeigt:
Man stelle sich in ein öffentliches Verkehrsmittel und schaue jemanden an. Sobald der Blick erwidert wird, lächelt man. Die Person lächelt zurück. Schaut man dann ernster, verdunkelt sich auch der Blick gegenüber. Lächelt man danach wieder, kann man eine freudige Erleichterung erkennen und schon kommt das beste Zahnpasta-Werbungs-Strahlen zum Vorschein. Das könnte ich per Fernbedienung nicht besser bewerkstelligen!
Das ist doch eine Bande von reagierenden Affen da draußen! Da wird nichts sinnvoll gewertet, sondern einfach nur stumpfsinnig der Herde gefolgt!
Eine ganz deutliche Empfehlung kann ich nur aussprechen:
Redet mit Menschen, die Ihr kennt und schätzt, ganz entspannt und über alle Themen. Lernt Ihr jedoch jemanden gerade kennen, rafft alle Hirnzellen zusammen und sagt irgendetwas halbwegs Schlaues, bringt ein wenig Körperspannung zustande und lasst so etwas wie Energie in Euren Blick fließen.
Ich meine es ernst, ich stelle mich Euch sonst kurz darauf ein zweites Mal vor und das wollen wir beide nicht!
Cheers
Angenehm, Stoszek:)